Nada Brahma                        नादब्रह्मन्                       Welt aus Klang

Die Musik kann nicht ohne den Klang existieren, aber der Klang existiert sehr wohl ohne die Musik.  Also scheint es, dass der Klang wichtiger sei. Damit können wir beginnen.“                            Giacinto Scelsi

Die Lust an der Musik schafft ständig neue Aspekte zum Phänomen Klang. Der englische Begriff „Sound“ wird dem besonders gerecht. Er steht für Ton, Klangfarbe, qualitativ hochwertigen und charakteristischen Klang, Schall, genauso wie für Meeresenge (Sund), Geräusch, Gesundheit oder solide, tadellos, intakt und vieles andere mehr.

 

Viele Klangdefinitionen beziehen sich auf den gestalterischen und konstruktiven Bereich und kennzeichnen dabei rein räumliche Eigenschaften, entweder naheliegend im Sinne ihrer akustischen Qualitäten oder der konzertanten Zweckbestimmung bestimmter Räumlichkeiten.

 

Klang ist vor allem aber selbst ein räumliches Ereignis, das über Bewegung im Hörfeld durch Veränderung der Tonhöhen und über zeitliche Abfolgen wahrgenommen wird. Klang gestaltet sich über die Klangfarbe wie ein skulpturales Material - es ist formbar.

 

Gongvibrationen im Besonderen lassen uns den Klang nicht nur hören, sondern auch taktil wahrnehmen. Die Klangenergie ist auf der Hautoberfläche zu spüren, wir hören sozusagen auch mit den Poren. Der Gong kann als einziges Instrument das gesamte Frequenzspektrum entfalten und damit eine ebenso große Fülle an Obertönen, denen ein transformierendes Potential innewohnt. Als Idiophon (Selbstklinger) hat er einen extrem langen Nachhall. Seine Resonanzen überlagern sich in wechselnden Klanggebilden und Klangräumen laufend neu. Klang wird so als Form und Raumgebilde fühl- und spürbar.

 

Die Schwingungsenergie des Gongs kann die Grenzen verwischen zwischen innen und außen, Raum und Hülle, oben und unten. Es ist  ein Universum aus fließenden Räumen, in dem unsere gewohnten Grenzen von Raum und Zeit nicht mehr existieren. Klang kann die Räume transzendieren, in denen er auftritt.
 

Aus der sich verdichtenden Klanganreicherung entsteht eine Klangarchitektur, die nicht konstruiert ist. Ihr Ton-Material muss nichts Geplantes erfüllen, sondern kann sich im Sinne eines Schöpfungsakts frei entfalten. Wenn auch real nicht sichtbar hat Klang dennoch die Qualität, Räume, Landschaften und Szenerien imaginär sichtbar und erlebbar werden zu lassen – als komplexe Klangarchitektur. Sie entsteht intuitiv aus dem heraus, was gerade anwesend ist und was eventuell ergänzend gebraucht wird. Solche Klangfolge ist nicht notierbar wie Musik. Und sie ist auch nicht reproduzierbar - sie ist deshalb jedes Mal im wahrsten Sinne einzigartig.

 

Alles in unserem Universum vibriert in seiner eigenen Frequenz, einschließlich jeder unserer Körperzellen. Es ist zweifellos belegt, dass Klang u. a. über Resonanzwirkung und Obertonreichtum entscheidend zur Behebung gestörter Abläufe im Frequenzverhalten unseres Zellorganismus durch Harmonisierung von Schwingungen und Lösen von Blockaden beitragen kann. Klangarchitektur ist mehr als ein ästhetisches Hörvergnügen.

 

Dieses Klangpotenzial wird in der individuellen Einzelarbeit genauso deutlich wie im Rahmen einer Gongmeditation für eine Gruppe.  Ich erlebe es als dankbare Erfüllung, diese Klänge in unterschiedlichen Formaten spielen zu können.

 

 „Es gibt ein morgen in dir, das darauf wartet, ins Licht aufzubrechen.“                                                                    Rumi